Hormone & Schilddrüse 2. August 2026
Wechseljahre und Menopause: was Blutwerte zeigen und was nicht
Die Menopause ist die letzte Regelblutung, im Durchschnitt mit 51 Jahren. Feststellen lässt sie sich damit erst rückblickend, und ein Hormontest hilft dabei nicht: Laut IQWiG sagt das Ergebnis weder etwas darüber aus, ob eine Schwangerschaft noch möglich ist, noch ob eine Behandlung sinnvoll wäre. Aussagekräftig sind Blutwerte an anderer Stelle.
Kaum eine Lebensphase wird so oft mit einem Labortest verbunden wie die Wechseljahre, und kaum eine eignet sich dafür so schlecht. Das ist keine schlechte Nachricht: Es verschiebt nur, wonach sich zu schauen lohnt.
Auf einen Blick
- Die Menopause ist die letzte Regelblutung und liegt im Schnitt bei 51 Jahren.
- Die Wechseljahre beginnen meist zwischen 40 und 45, wenn die Östrogenproduktion allmählich nachlässt.
- Ein Hormonwert im Blut kann die Wechseljahre weder bestätigen noch ausschließen.
- Nach der Menopause gelten für Sexualhormone andere Referenzbereiche: FSH steigt von 1,4 bis 23,2 auf 16 bis 157 IU/L.
- Mit sinkendem Östrogenspiegel steigt das Risiko für Osteoporose.
Wechseljahre, Menopause, Perimenopause: was was ist
Die drei Begriffe meinen nicht dasselbe. Die Wechseljahre, medizinisch Klimakterium, sind der gesamte Übergang. Sie beginnen meist zwischen 40 und 45, wenn die Östrogenproduktion allmählich nachlässt. Die Menopause ist dagegen ein einzelner Zeitpunkt darin: die letzte Regelblutung, im Durchschnitt mit 51 Jahren. Der Name führt in die Irre, denn es handelt sich nicht um eine Pause, sondern um einen Endpunkt.
Als Perimenopause wird die Phase davor und kurz danach bezeichnet, in der der Zyklus unregelmäßig wird. Sie ist die eigentlich unübersichtliche Zeit, und genau in ihr sind Blutwerte am wenigsten hilfreich.
Warum ein Hormontest die Wechseljahre nicht feststellt
Weil die Menopause rückblickend definiert ist. Sie ist die letzte Regelblutung, und ob eine Blutung die letzte war, weiß man erst, wenn keine weitere folgt. Kein Laborwert kann diesen Zeitpunkt vorwegnehmen.
Dazu kommt die Schwankung. In der Perimenopause bewegen sich FSH und Östrogen von Zyklus zu Zyklus erheblich, sodass zwei Messungen im Abstand weniger Wochen gegensätzlich ausfallen können. Das IQWiG hält deshalb fest, dass die Bestimmung von Hormonen im Blut wenig weiterhilft: Das Ergebnis sagt weder etwas darüber aus, ob eine Frau noch schwanger werden kann, noch ob eine Behandlung sinnvoll ist. Eingeordnet wird über Alter, Zyklusverlauf und Beschwerden.
Wie sich die Referenzbereiche nach der Menopause verschieben
Auch wenn ein Hormonwert nichts feststellt, beschreibt er einen Zustand. Und dieser Zustand hat nach der Menopause andere übliche Bereiche als davor. Wer einen aktuellen Wert mit einem Befund von vor zehn Jahren vergleicht, vergleicht deshalb gegen zwei verschiedene Maßstäbe:
| Wert | Vor der Menopause | Nach der Menopause |
|---|---|---|
| FSH | 1,4 bis 23,2 IU/L | 16 bis 157 IU/L |
| Estradiol | 15 bis 350 pg/mL | unter 10 pg/mL |
| Progesteron | bis 24 ng/mL | bis 0,2 ng/mL |
| Testosteron | 0,31 bis 1,91 nmol/L | 0,17 bis 1,11 nmol/L |
| Ferritin | 30 bis 175 µg/L | 30 bis 328 µg/L |
Am deutlichsten ist es beim FSH: Ein Wert von 40 IU/L liegt vor der Menopause weit über dem üblichen Bereich und danach mitten darin, ohne dass sich am Wert selbst etwas geändert hätte. Bemerkenswert ist auch Ferritin : Weil die monatlichen Blutverluste wegfallen, füllen sich die Eisenspeicher, und der übliche Bereich reicht nach der Menopause fast doppelt so weit nach oben. Was ein niedriges Ferritin bedeutet, ändert sich damit nicht, wohl aber, wie häufig es vorkommt.
Welche Blutwerte tatsächlich sinnvoll sind
Die nützlichsten Werte in dieser Phase sind nicht die Sexualhormone, sondern die, die eine behandelbare andere Ursache derselben Beschwerden sichtbar machen:
- TSH Eine Schilddrüsenunterfunktion macht fast dieselben Beschwerden wie die Wechseljahre: Müdigkeit, Gewichtszunahme, gedrückte Stimmung, Zyklusveränderungen. Sie ist behandelbar, also lohnt es sich, sie nicht zu übersehen.
- Ferritin Starke oder unregelmäßige Blutungen sind in der Perimenopause häufig und können die Eisenspeicher leeren. Müdigkeit und Konzentrationsprobleme passen zu beidem.
- Vitamin D Weil mit dem sinkenden Östrogenspiegel das Osteoporoserisiko steigt, rückt die Knochengesundheit in den Vordergrund.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Was sich behandeln lässt, sollte nicht unbemerkt unter „das sind die Wechseljahre“ verschwinden. Wie sich eine Schilddrüsenunterfunktion zeigt und woran ein Eisenmangel erkennbar ist, steht jeweils in einem eigenen Beitrag.
Was sich nach der Menopause verändert
Belegt ist vor allem eines: Mit dem sinkenden Östrogenspiegel steigt das Risiko für Osteoporose. Deshalb rückt die Knochengesundheit in den Vordergrund, und damit auch Vitamin D .
Beim Herz-Kreislauf-System lohnt eine genauere Formulierung, als man sie meist liest. Dass die Wechseljahre selbst das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, ist laut IQWiG bisher nicht wissenschaftlich belegt: Dass Herzinfarkte mit den Jahren häufiger werden, hängt demnach am Alter. Wohl aber zählen die Wechseljahre zu den Faktoren, die sich auf die Blutfette auswirken. Ein Ausgangswert aus dieser Zeit ist deshalb nützlich, nicht als Alarmzeichen, sondern als Vergleichspunkt für später.
Was in dieser Phase hilft
Am besten belegt ist das Unspektakulärste: Bewegung und Sport kommen sowohl der Knochendichte als auch dem Herz-Kreislauf-System zugute. Entspannungsverfahren können Wohlbefinden und Schlaf verbessern. Beides braucht kein Rezept und keinen Laborwert.
Bei ausgeprägten Beschwerden ist die Hormontherapie laut IQWiG das wirksamste Mittel, wird wegen der Risiken, darunter Brustkrebs, aber nur kurzfristig empfohlen. Ob sie für dich infrage kommt, ist eine ärztliche Entscheidung und hängt nicht am Laborwert. Für die verbreiteten pflanzlichen Präparate mit Soja-Isoflavonen, Rotklee oder Traubensilberkerze ist die Wirksamkeit dagegen unklar.
Häufige Fehler bei der Einordnung
Die Wechseljahre über einen Hormontest feststellen wollen
Ein einzelner FSH- oder Östrogenwert schwankt in der Perimenopause so stark, dass er weder etwas bestätigt noch ausschließt. Die Einordnung erfolgt über Zyklus, Alter und Beschwerden.
Beschwerden vorschnell den Wechseljahren zuschreiben
Müdigkeit, Stimmungstiefs und Zyklusveränderungen passen genauso zu einer Schilddrüsenunterfunktion oder einem Eisenmangel. Beides ist behandelbar und wäre schade zu übersehen.
Vorwerte an neuen Bereichen messen
Nach der Menopause gelten für die Sexualhormone andere Referenzbereiche. Ein FSH von 40 ist davor auffällig und danach unauffällig, ohne dass sich am Wert selbst etwas geändert hätte.
Auf Präparate setzen, deren Wirkung offen ist
Für Soja-Isoflavone, Rotklee und Traubensilberkerze ist die Wirksamkeit laut IQWiG unklar. Bewegung und Sport dagegen tun nachweislich Knochen und Herz-Kreislauf-System gut.
Den richtigen Bereich hinterlegen
Weil vor und nach der Menopause unterschiedliche Bereiche gelten, hängt die Einordnung eines Hormonwerts davon ab, welcher Phase er zugeordnet wird. Node Health fragt deshalb nach deinem Status, statt ihn aus dem Alter abzuleiten, und rechnet Sexualhormone, Ferritin und SHBG gegen den passenden Bereich. Für die Perimenopause sind bewusst keine eigenen Bereiche hinterlegt: In dieser Phase schwanken die Werte zu stark, als dass ein fester Bereich etwas aussagen würde.
Fazit
- Erwarte von einem Hormontest keine Antwort auf die Frage, ob du in den Wechseljahren bist.
- Lass bei passenden Beschwerden Schilddrüse und Eisenspeicher prüfen, bevor du sie den Wechseljahren zuschreibst.
- Vergleiche Werte nach der Menopause nicht mit den Bereichen, die davor galten.
- Bewegung wirkt auf Knochendichte und Herz-Kreislauf-System, ohne dass es dafür ein Präparat braucht.
- Ob eine Hormontherapie infrage kommt, ist eine ärztliche Entscheidung und keine Frage des Laborwerts.
Häufige Fragen
Nein. Das IQWiG hält die Bestimmung von Hormonen im Blut für die Wechseljahre für wenig hilfreich: Das Ergebnis sagt weder etwas darüber aus, ob eine Frau noch schwanger werden kann, noch ob eine Behandlung sinnvoll ist. Eingeordnet wird über Alter, Zyklus und Beschwerden.
Die Wechseljahre (Klimakterium) sind der gesamte Übergang, der meist zwischen 40 und 45 beginnt. Die Menopause ist ein einzelner Zeitpunkt darin, nämlich die letzte Regelblutung, im Durchschnitt mit 51 Jahren. Perimenopause bezeichnet die Phase davor und kurz danach, in der der Zyklus unregelmäßig wird.
Einen solchen Grenzwert gibt es nicht. FSH steigt im Verlauf der Wechseljahre an, schwankt in der Perimenopause aber stark, sodass ein einzelner Wert nichts entscheidet. Nach der Menopause liegt der übliche Bereich deutlich höher als davor, das beschreibt aber einen Zustand und stellt ihn nicht fest.
Vor allem die, die eine behandelbare andere Ursache derselben Beschwerden sichtbar machen: TSH für die Schilddrüse und Ferritin für die Eisenspeicher. Wegen des steigenden Osteoporoserisikos rückt außerdem Vitamin D in den Blick. Welche Werte für dich sinnvoll sind, klärst du mit ärztlichem Fachpersonal.
Für die verbreiteten pflanzlichen Präparate mit Soja-Isoflavonen, Rotklee oder Traubensilberkerze ist die Wirksamkeit laut IQWiG unklar. Belegt ist dagegen, dass Bewegung und Sport Knochendichte und Herz-Kreislauf-System zugutekommen.
Das wird oft so dargestellt, ist aber nicht belegt. Das IQWiG hält fest, dass es bisher keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass die Wechseljahre das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dass Herzinfarkte mit den Jahren häufiger werden, hängt demnach am Alter und nicht an der hormonellen Umstellung.
Deine Werte über die Wechseljahre hinweg behalten
Mit Node Health erfasst du deine Laborwerte, ordnest sie dem passenden Referenzbereich zu und verfolgst sie über die Jahre, privat auf deinem iPhone.
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- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Stand 2. Januar 2023: Wechseljahrsbeschwerden (abgerufen am 2. August 2026)
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Erhöhte Cholesterinwerte (abgerufen am 29. Juli 2026)
Geschrieben vom Node Health Team
Das Node Health Team schreibt Beiträge zu Blutwerten, Referenzbereichen und Laborbefunden. Grundlage sind etablierte klinische Quellen, auf denen auch die Referenzdatenbank der App beruht.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026. Dieser Artikel wird regelmäßig überprüft, um seine wissenschaftliche Richtigkeit sicherzustellen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden oder auffälligen Werten wende dich an medizinisches Fachpersonal.